Analysten sehen ernst zu nehmende Alternative zu Investmentfonds und anderen Investments:

Derivate: Kursstürme elegant umschiffen  von Matthias Schmitt

Die Volatilität an den Aktienmärkten steigt. Discount-Zertifikate sind für Anleger in dieser Situation eine gute Absicherung.

Kursstürme mit Discount-Zertifikaten elegant umschiffen

  Kursstürme mit Discount-Zertifikaten elegant umschiffen

Die Unsicherheit an den europäischen Aktienmärkten hat deutlich zugenommen. Abzulesen ist dies am VDax. Der Index misst die erwartete Kursschwankungsbreite. Die Werte werden zur Berechnung kurz laufender Dax-Optionen herangezogen. Seit Juli dieses Jahres kletterte der VDax von rund elf auf zeitweise mehr als 18 Prozent, was Discount-Zertifikate wieder attraktiv macht.

Die derivativen Produkte zeichnen sich durch eine besondere Eigenschaft aus: Bei diesen Zertifikaten erhält der Investor gegenüber dem Kurs des Basiswerts einen Preisabschlag; er erhält das Papier billiger. Im Gegenzug nimmt der Anleger jedoch nur bis zu einem bestimmten Kursniveau an steigenden Notierungen teil. Die Gewinne des Privatanlegers sind also ab dieser Obergrenze, die auch Cap genannt wird, gedeckelt.

Ein Beispiel: Die Deutsche Bank bietet ein Dax-Discount-Zertifikat mit einer Laufzeit bis zum 27. 12. 2006 und einer Obergrenze bei 5000 Punkten. Obwohl der Dax aktuell bei 4928 Punkten notiert, kostet das Discount-Zertifikat mit dem Bezugsverhältnis 1 zu 100 nur 45,33 Euro. Das entspricht einem Abschlag von fast acht Prozent gegenüber dem Indexstand.

Discount-Zertifikate im Überlick

 

 Discount-Zertifikate im Überblick
 

Wenn der DAX bei Fälligkeit des Zertifikats über 5 000 Punkte notiert, erhält der Inhaber des Discounters maximal 50 Euro ausbezahlt. Sein Ertrag ist damit auf 10,3 Prozent begrenzt. Trotz dieser Einschränkung können Discount-Zertifikate für Anleger ein gutes Geschäft sein. Der Rabatt sichert den Investor gegen Kursverluste ab und ermöglicht selbst bei stagnierenden oder leicht fallenden Kursen positive Erträge. Investoren setzen Discount-Zertifikate daher zur Risikominimierung und Renditeoptimierung eines Portfolios ein.

An dem oben aufgeführten Beispiel lassen sich Kursmarken für eine Ertrags-Risikobetrachtung aufzeigen: Kursverluste erleidet der Anleger bezogen auf das Laufzeitende erst, wenn der DAX auf weniger als 4528 Punkte fällt.

Vor allem in seitwärts gerichteten Marktphasen sind Discount-Zertifikate attraktiv. Selbst wenn der Dax in knapp 14 Monaten immer noch bei rund 4.928 Punkten notiert, hat sich das Investment gelohnt. Der Discounter wird dann mit 49,28 Euro zurückbezahlt. Bezogen auf den Kaufpreis von 45,33 Euro errechnet sich eine Rendite von 8,7 Prozent. Diese ist nach Ablauf der Spekulationsfrist von derzeit zwölf Monaten steuerfrei.

Anleger bleibt flexibel

Auch wenn der Dax die Obergrenze des Discount-Zertifikats passiert, kann das Rabattpapier im Vergleich zu anderen Produkten interessant sein. Im vorliegenden Fall ist der Gewinn des Discount-Zertifikats auf 10,3 Prozent begrenzt, da maximal 50 Euro zurückbezahlt werden. Ein Investment in Dax-Index-Zertifikate wirft diese Rendite erst dann ab, wenn der Dax von 4928 Punkten um 10,3 Prozent auf rund 5436 Zähler steigt.

Mit Discount-Zertifikaten bleibt der Anleger zudem flexibel. Jeder Emittent stellt fortlaufend für seine Produkte An- und Verkaufskurse. Zu diesen Preisen kann der Investor die Papiere während der Laufzeit kaufen und verkaufen. Wichtig dabei: Während der Laufzeit wird der Kurs eines Discounters noch von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Nimmt die Volatilität weiter zu, kann es passieren, dass der Rabatt des Discounters größer wird, obwohl sich der Kurs des Basiswerts per Saldo nicht bewegt hat.

Investoren, die das Risiko reduzieren möchten, setzen auf Discount-Papiere mit einer tieferen Obergrenze. Hier bietet sich zum Beispiel ein Dax-Discount-Zertifikat mit Cap bei 4500 Punkten oder ein Euro-Stoxx-50-Rabattpapier mit Obergrenze bei 3000 Zählern an.

Mehr Puffer und mehr Ertragspotenzial erhält der Investor bei Discount-Zertifikaten auf Einzelaktien. Derzeit sind vor allem Papiere auf die Aktien von DaimlerChrysler sowie MAN interessant.

Aus der FTD vom 02.11.2005 © 2005 Financial Times Deutschland, © Illustration: FTD/Christina Bretschneider, ftd.de

 

Discount-Zertifikate sind besser als Aktien                                    Von Marcus Pfeil, Handelsblatt
Discount-Zertifikate sind besser als Aktien. Das zumindest ist das Ergebnis einer Studie der Deutschen Bank über die Performance von über 600 Zertifikaten. Demnach haben über einen Zeitraum von vier Jahren 83,8 % der Papiere eine höhere Rendite erzielt als ihr zu Grunde liegender Basiswert.

DÜSSELDORF. „Discount-Zertifikate stellen eine echte Alternative zur Direktanlage dar“, sagt Heiko Weyand von

                                                                                                                                   HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Gerade bei Privatanlegern scheinen die Zertifikate mit eingebautem Puffer immer beliebter zu werden: Seit zwei Jahren hat sich der Umsatz im börslichen und außerbörslichen Handel in Deutschland vervielfacht. Kauften und verkauften Anleger im Januar 2002 noch Discounts im Wert von 233 Mill. Euro, waren es im November 2003 schon über 1,5 Mrd. Euro. Zuletzt übertrumpfte der Umsatz mit Discount-Zertifikaten sogar den Gesamtumsatz der Deutschen Börse.

Und die Banken emittieren fleißig weiter ihren neuen Umsatzbringer: So hat sich die Anzahl der Discounts in nur drei Jahren auf 8 314 Papiere verzehnfacht.

Einen Renditevorsprung werfen Discount-Zertifikate vor allem dann ab, wenn die Aktienmärkte stagnieren, leicht steigen oder fallen. Diese drei Szenarien haben sich im Betrachtungszeitraum der Studie regelmäßig abgewechselt. Fast die Hälfte aller untersuchten Zertifikate erreicht auch nach der ausgedehnten Aktien-Baisse eine positive Rendite. Demgegenüber schaffte es nur jede vierte Aktie ins Plus.

In einem schwachen Aktienmarkt spielen die Discounts ihren Verlustpuffer aus: So verlor ein Papier auf die Aktie des finnischen Handyherstellers Nokia im Beobachtungszeitraum 6,63 % – die Nokia- Aktie bescherte ihren Anteilseigners dagegen einen herben Verlust von 37,65 %. Auch bei einer Seitwärtsbewegung der Märkte sind Discount-Zertifikate überlegen: So gewann das Zertifikat auf die Aktien des Sportartikelherstellers Adidas 7,11 %. Anleger, die direkt auf die Adidas-Aktie setzten, mussten hingegen einen Verlust von 6,93 % verbuchen.

Und selbst negative Währungseinflüsse können Anleger mit den Discounts zumindest teilweise ausschalten. Weil der Euro im vergangenen Jahr fast 20 % gegenüber dem Dollar zulegte, verminderte sich die Performance der Oracle-Aktie von 28,76 % auf Euro-Basis auf nur 2,02 %. Mit einem Discount-Zertifikat auf die Aktie des US-Softwareherstellers erzielten Anleger immerhin eine Rendite von 23,82 %

Angesichts solcher Erträge rät Heiko Weyand von HSBC-Trinkaus Privatanlegern, „darüber nachzudenken, ihr Depot sukzessive in Discount-Zertifikate umzuschichten“. Studien belegten, dass damit Chancen und Risiken einer Geldanlage auf längere Sicht optimiert werden,“ sagt Weyand.

Lediglich in stark steigenden Märkten lohne es sich, auf das Direktinvestment in die entsprechende Aktie zu setzen. Die gute Performance von Dax und Co. spiegelt sich inzwischen in den Maximalrenditen der Discounts wider: Ein Zertifikat auf den EuroStoxx 50 mit einer Obergrenze in der Nähe des aktuellen Indexstandes (Cap 2 800 Punkte) und einer Restlaufzeit von einem Jahr verfügt derzeit über eine Maximalrendite von rund zehn Prozent. Vor einem Jahr war diese noch doppelt so hoch. Auch der Rabatt ist auf weniger als zehn Prozent zusammen geschrumpft, vor allem bei Discounts mit langen Laufzeiten. Für sehr lang laufende Discounts bewegt sich die Maximalrendite derzeit bei nur noch 6,5 %.

Weyand empfiehlt deshalb Rolling-Discounts. Bei diesen Zertifikaten investieren Anleger jeden Monat in ein Discount-Zertifikat mit einer Restlaufzeit von einem Monat. Auf das Jahr hochgerechnet ergibt sich so eine attraktive Rendite. „Mit den Rollings können Anleger aktiv gemanagte Fonds aus ihren Depots verbannen.“

HANDELSBLATT, Donnerstag, 22. Januar 2004, 10:22 Uhr